40 Jahre nach dem Wunder von Lake Placid

Die Olympischen Spiele 1980 in Lake Placid: Wie die USA gegen die UdSSR triumphierten

Wenige Sportspiele sind mit einer solchen historischen Relevanz in Erinnerung. Denn was bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid geschah, war ein Wunder. 

„The Miracle on Ice“ (engl.: Das Wunder auf dem Eis), wie sie es nennen: Als die Eishockeynationalmannschaft der Vereinigten Staaten am 22. Februar 1980 die Sowjetunion besiegte.

Die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion waren zu dieser Zeit eher problematisch. Die Blütezeit des Kalten Krieges hatte begonnen, und die Welt stand still was die Beziehungen zwischen den beiden Supermächten anbelangte. Kommunismus gegen Kapitalismus, Diktatur gegen Freiheit, Tradition gegen Fortschritt – all diese Elemente wurden Nacht für Nacht in den Vereinigten Staaten in Radio- und Fernsehübertragungen aufgegriffen.

Aber die Olympischen Spiele 1980 brachten die Nationen in der klassischen Form des Sports zusammen. Die beiden Supermächte traten in verschiedenen Wintersportarten gegeneinander an, wobei jede Nation Medaillen in verschiedenen Disziplinen gewann.

Es war anzunehmen, dass die sowjetische Mannschaft die Goldmedaille im Eishockey gewinnen würde. Jahrzehntelang trainierte die Sowjetunion einige der besten Eishockeyspieler der Welt. Geschickte Stürmer, harte Verteidiger und intelligente Torhüter. Alle kamen mit einer überlegenen Spielintelligenz aus dem heutigen Russland. Zudem scheute die damalige UdSSR keine Kosten, um kluge und erfahrene Trainer zu beschäftigen.

Doch all das änderte sich mit den Olympischen Spielen 1980.

In der Vorrunde bestätigte das sowjetische Team von Trainer Viktor Tichonov seinen Ruf. Ein 16:0 gegen Japan, 17:4 gegen Niederlande, 8:1 gegen Polen und ein 4:2 gegen Finnland bedeutete 51:11 Tore bzw. 10:0 Punkte nach 5 Spielen.

In der Medaillenrunde kam es zum Showdown zwischen der UdSSR und der USA. Das Spiel wurde von vielen als Kinderspiel für die Sowjetunion angesehen. Da das US-Eishockeyteam stark benachteiligt war, weil NHL-Spieler bzw. Profisportler bei dieser Olympiade nicht zugelassen wurden. Somit bestand das US-Team aus College-Spielern, währenddessen die starken Sowjets als Staatsamateure und nicht als Profis angesehen wurden. Die Ungleichheit der Fähigkeiten war eindeutig und es wurde allgemein angenommen, dass die Sowjetunion dieses Spiel mit Leichtigkeit dominieren würde.

Nach dem ersten Drittel stand das Spiel mit 2-2 Toren unentschieden. Die sowjetischen Spieler Vladimir „The Tank“ Krutov und Sergei Makarov trafen für die UdSSR, während William „Buzz“ Schneider und Mark Johnson die Tore für die Amerikaner schossen.

Mit Beginn des zweiten Drittels entschied sich Trainer Tichonov für einen Torhüterwechsel. Torhüterlegende Wladislaw Tretjak musste sein Tor nach 2 Gegentreffer im 1. Drittel räumen und wurde durch Wladimir Myschkin ersetzt. In der 22 Minute fiel der erste Treffer im zweiten Abschnitt durch die UdSSR. Alexander Maltsev traf im Powerplay für die Sbornaja. Zudem war die sowjetische Mannschaft im gesamten 2. Drittel mit einem Torschuss-Verhältnis von 12-2 Schüssen deutlich überlegen. Dennoch blieb das Tor von Maltsev das einzige im Mittelabschnitt, was auf eine herausragende Leistung des US-Keepers Jim Craig zurückzuführen war.

Das historische 3. Drittel begann ausgeglichener als das 2. Drittel. Die Dominanz des Titelverteidigers ließ nach, da bei den meisten Spielern die Kraft nachließ. Das Team der UdSSR war zudem verärgert, da das Spiel zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden war. Dennoch hatten sie volles Vertrauen in ihre Fähigkeiten, um den Sieg zu erringen.

Bis Mark Johnson in der 49. Minute seinen zweiten Treffer der Partie erzielte, was gleichzeitig der Ausgleich zum 3:3 bedeutete.

Als sich das Schlussdrittel dem Ende zuneigte, passierte ein amerikanischer Spielzug, der als einer der besten in die Eishockey-Geschichte eingehen sollte.

Der amerikanische Stürmer und Mannschaftskapitän Mike Eruzione erzielte den Siegtreffer des Spiels gegen die UdSSR mit nur noch wenigen verbleibenden Sekunden. Der historische Moment versetzte die heutige „Herb Brooks Arena“ in ein Freudenmeer – als die Menge bei diesem unglaublichen Anblick jubelte.

Al Michaels von ABC und der ehemalige Torwart Ken Dryden von den Montreal Canadiens übertrugen im Fernsehen den epischen Aufruf im ganzen Land.

„11 Sekunden, Sie haben 10 Sekunden, der Countdown läuft! Morrow, zu Silk. Noch fünf Sekunden im Spiel. Glauben Sie an Wunder? Ja!!!”UNGLAUBLICH!

Es war wahrhaftig ein Wunder. 
The Miracle on Ice war natürlich im sportlichen Sinne unglaublich. Es schien unmöglich, dass die „Studententruppe“ der USA gegen die Sowjetunion gewinnen könne. Am Ende war es eine beeindruckende Leistung mit viel Kampfgeist, Glaube und Entschlossenheit.

Es war zudem die kulturelle und politische Bedeutung, die das Spiel in die Geschichte eingehen ließ.

Die Niederlage der Sowjetunion gegen die Amerikaner war ein Vertrauensschub, den die USA damals dringend brauchte. Sie hauchte dem amerikanischen Volk in diesem langwierigen, stressigen und unsicheren Kalten Krieg gegen die Sowjets ein wenig Vertrauen ein. Es gab dem „American Dream“ neues Leben – und der Idee, dass in dieser Nation alles möglich ist. Er inspirierte eine Generation junger Eishockeyspieler und gab der Nation einen neuen Sinn für Patriotismus, der die amerikanischen Medien in den 1980er Jahren prägen sollte.

Das Miracle on Ice war genau das – ein Wunder. Aber dieses Wunder war insofern ikonisch, weil es anders als die meisten historischen Eishockeyspiele über das Eis hinausging. Das Miracle on Ice war ein Wunder für die Vereinigten Staaten, für die Welt und für diejenigen, die die Grundlagen der westlichen Demokratie liebten.

Foto: Joe Lippincott

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